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Vermögenssteuer Mallorca

Von Arnd

Vermögenssteuer Mallorca

Ein Überblick und eine Prognose

Kurz einleitend: Ich bin weder Steuerberater noch Rechtsanwalt und gebe hier nur meine Meinung von mir. Ohne eine Beratung durchzuführen oder auch nur den Anschein erwecken zu wollen, dies zu können! Meine Meinung bezieht sich auch vor Allem darauf, ob ich glaube, das es letztlich zu einer wirtschaftlich effektiven Abschaffung der Vermögenssteuer(n) kommen wird.

Die Vermögenssteuer Mallorca, eine Form der Steuer, die auf das Gesamtvermögen einer Person anfällt, liegt im Zentrum vieler Diskussionen in Spanien, besonders auf der malerischen Insel Mallorca. Während viele darauf hoffen, dass diese Steuer abgeschafft wird, gibt es Aspekte und Überlegungen, die zeigen, dass dies eine komplexe Frage mit vielen Faktoren ist.

Die Vermögenssteuer auf Immobilien ist ein Thema, das viele Menschen betrifft, die in Europa leben oder dort Immobilien besitzen. Ich möchte dazu erst einmal kurz zu anderen europäischen Ländern schwenken, in denen es eine Vermögenssteuer auf Immobilien gibt und wie hoch diese jeweils für Residenten bzw. Nicht-Residenten ist.

Beginnen wir mit Frankreich, einem Land, das für seine hohe Vermögenssteuer bekannt ist. Die französische Vermögenssteuer, auch "Impôt de solidarité sur la fortune" (ISF) genannt, wird auf das weltweite Vermögen von Personen erhoben, die in Frankreich ansässig sind und deren Vermögen den Wert von 1,3 Millionen Euro übersteigt. Die Steuersätze variieren zwischen 0,5% und 1,5%. Für Nicht-Residenten gilt die Steuer nur für in Frankreich gelegene Immobilien und der Steuersatz ist derselbe.

In Italien wird die Vermögenssteuer auf Immobilien, auch "Imposta municipale sugli immobili" (IMU) genannt, auf alle Arten von Immobilien erhoben, unabhängig davon, ob der Eigentümer ansässig ist oder nicht. Die Steuersätze variieren je nach Art der Immobilie und ihrer Nutzung, aber im Allgemeinen liegt der Steuersatz bei 0,76%.

In Deutschland gibt es keine Vermögenssteuer im klassischen Sinne. Es gibt jedoch die Grundsteuer, die auf den Wert von Grundstücken und Gebäuden erhoben wird. Die Höhe der Grundsteuer hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlies der Art der Immobilie und ihrer Lage, und variiert zwischen 0,35% und 1%.

In Großbritannien gibt es keine Vermögenssteuer auf Immobilien. Stattdessen gibt es die Council Tax, eine lokale Steuer, die von den Bewohnern einer Immobilie bezahlt wird. Die Höhe der Council Tax hängt vom Wert der Immobilie und der Anzahl der Bewohner ab.

In der Schweiz wird die Vermögenssteuer auf das weltweite Vermögen von Personen erhoben, die in der Schweiz ansässig sind. Die Steuersätze variieren je nach Kanton und Gemeinde, liegen aber im Allgemeinen zwischen 0,1% und 0,5%. Für Nicht-Residenten gilt die Steuer nur für in der Schweiz gelegene Immobilien.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vermögenssteuer auf Immobilien in Europa von Land zu Land stark variiert. Es ist daher wichtig, sich vor dem Kauf oder Verkauf von Immobilien in einem bestimmten Land über die geltenden Steuergesetze zu informieren. Es ist auch extrem wichtig, einen Steuerberater zu konsultieren, um sicherzustellen, dass alle Steuerverpflichtungen erfüllt werden.

Die Geschichte der Vermögenssteuer auf Mallorca

Die Geschichte der Vermögenssteuer in Spanien ist eine Geschichte voller Diskussionen und Veränderungen. Im Jahr 2008 wurde sie landesweit vorübergehend ausgesetzt, jedoch 2011 wieder eingeführt, was einen kontroversen Punkt ausmacht. Die Diskussion, die Vermögenssteuer abzuschaffen, ist auf Mallorca alles andere als neu.

Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Mallorca, als Teil der Autonomen Gemeinschaft der Balearen, die Befugnis hat, eigene Steuertarife und Befreiungen zu bestimmen, zusätzlich zu den nationalen Gesetzen. Die Vermögenssteuer auf den Balearen liegt zwischen 0,28% und 3,45%, abhängig von der Höhe des Vermögens, eine Eigenschaft, die als progressiv gilt.

Die Reichensteuer aus Madrid

Die neue "Reichensteuer" hat aus Madrid ebenfalls Wellen geschlagen. Die Steuer wurde von der Zentralregierung in Madrid 2020 eingeführt, weil Sanchez und seinen Mitstreitern vom Mitte-Links-Bündnis der Wettbewerb der autonomen Regionen um eine Reduzierung der regionalen Vermögenssteuern nicht passte. Madrid zum Beispiel kassierte als Region gar keine Vermögenssteuer. Andaluisen wollte folgen..

Die regionale Vermögenssteuer ist dabei anrechenbar auf die Steuerlast der Reichensteuer.

Die Steuer zielt auf die reichsten 0,17% der Bevölkerung ab und soll dazu beitragen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zu mildern. Die Steuer wird auf Vermögen über 10 Millionen Euro erhoben, wobei Immobilien, Bankguthaben und Wertpapiere besteuert werden. Die Regierung hofft, durch diese Maßnahme zusätzliche Einnahmen zu generieren, um öffentliche Dienstleistungen zu finanzieren und die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen.

Im Falle einer Abschaffung der regionalen Vermögenssteuer würde die Reichensteuer also immer noch anfallen, was die Debatte um eine Abschaffung dieser Steuer verschärft.

Die Reichensteuer und die Vermögenssteuer sind jedoch verschieden in ihrer Anwendung und ihrem Ziel. Die Reichensteuer richtet sich speziell an die wohlhabendsten Bürger, mit dem Ziel, grössere Einkommensunterschiede zu vermindern. Im Gegensatz dazu betrifft die Vermögenssteuer das gesamte Vermögen eines Individuums, einschließlies Immobilien, Geldanlagen, und dergleichen.

Die Sätze der Reichensteuer sind im Grunde ähnlich wie die der mallorquinischen Vermögenssteuer, sie greift aber erst ab einem höheren Vermögen, daher auch die Bezeichnung "Reichensteuer".

Unterschiede in der Vermögenssteuer für Residenten und Nicht-Residenten

Es gibt klare Unterschiede in der Anwendung der Vermögenssteuer zwischen Residenten und Nicht-Residenten. Während Residenten ihr weltweites Vermögen versteuern müssen unterliegen Nicht-Residenten der Vermögenssteuer fast nur für in Spanien gehaltene Vermögenswerte, wie zum Beispiel die Ferienimmobilie.

Dies führt zu einer teils hohen Steuerbelastungen für Immobilienbesitzer, selbst wenn sie eben nicht in Spanien ansässig sind. Ist das völlig ungewöhnlich? Nein, die Franzosen langen bei Immobilien auch in- und ausländischen Eigentümern in die Tasche. In der Schweiz wird wiederum auch das Wohnen besteuert. Nur wir Deutschen sind das durch die bisher ja sehr niedrige Grundsteuer einfach nicht gewöhnt und viele Käufer wollen sich damit nicht abfinden. Oder stellen fest, dass sie Immobilien günstiger mieten können als sie nur an Steuern für den Besitz aufbringen müssten.

Einfluss auf den Immobilienmarkt auf Mallorca

Der Immobilienmarkt auf Mallorca könnte erheblich von Änderungen in der Vermögenssteuerpolitik beeinflusst werden. Nicht nur dass eine Abschaffung der Vermögenssteuer auf Mallorca den Immobilienmarkt ankurbeln würde. Auch sämtliche Maklervereinigungen knüpfen große Hoffnungen an dieses Szenario. Natürlich werden derzeit Kunden abgeschreckt vom Kauf einer Immobilie, wenn sie hören, dass sie eben jährlich eine erhebliche Steuerlast nur für den Besitz zu bezahlen haben.

War das nicht schon immer so? Erstens nein, zweitens auch wieder ja. Also die Vermögenssteuer gab es ja immer mal wieder. Dann wurde sie wieder abgeschafft. Relevanter war aber tatsächlich, das es viele Konzepte gab, in denen vermögende Erwerber über Konstruktionen mit Darlehen ihre Investition "arm" rechnen konnten. Das machte natürlich Sinn in einer Zeit, wo die Zinsen extrem niedrig waren. Zumindest eben deutlich geringer als die zu bezahlende Vermögenssteuer. Das hat sich mit der geänderten Zinspolitik von FED und EZB dramatisch geändert, diese Umgehungsmodelle sind damit wirtschaftlich unsinnig geworden.

Ich würde also eher vermuten, dass eine Abschaffung der Vermögenssteuer keinen massiven Umsatzschub bringen würde. Sondern eher die Kaufzurükhaltung potentieller Luxusdomizilbesitzer verringern und den Umsatz eher halten würde.

Natürlich würde das aber nur Sinn machen, wenn die Reichensteuer in Madrid ebenfalls abgeschafft würde. Damit ist aber nach den Neuwahlen überhaupt nicht mehr zu rechnen, weil das konservative Lager durch das schlechte Abschneiden der rechts-außen Partei VOX auch nur eine wacklige Minderheitenregierung stemmen würde. Und sich sicher nicht auf dieses auch nicht ausgesprochen populäre Thema stürzen würde.

Es gibt also klar unterschiedliche Meinungen und Vorhersagen bezüglich der Zukunft der Vermögenssteuer auf Mallorca. Während einige argumentieren, dass die Vorteile, die durch einen Aufschwung des Immobilienmarktes erzielt werden könnten, eine Abschaffung rechtfertigen, glauben andere, dass es unwahrscheinlich ist, dass Madrid einer solchen Änderung zustimmt oder dass die lokale Regierung ausreichend Unterstützung dafür gewinnt.

Meine Prognose

Meiner Meinung nach ist die Diskussion um die Abschaffung der Vermögenssteuer ein Strohfeuer, in dem versucht wird, die Immobilienkäufer "bei der Stange" zu halten. Ich sehe aber überhaupt keine Szenarien, in denen eine Abschaffung effektiv stattfinden würde, bedeutet dies doch, dass sowohl die Regionalregierung als auch Madrid zu einer einheitlichen Entscheidung kommen müssten. Ich glaube, es wird schlicht nichts passieren bis zu dem Zeitpunkt, an dem der oberste Gerichtshof hoffentlich feststellt, das die Reichensteuer aus welchem der vielen möglichen Rechtsgrundände auch immer unzulässig ist.